Spieglein, Spieglein an der Wand…

18. August 2020 0 Von Uta Lewien-Schmidt

Wir erinnern uns. Die böse Königin kämpfte den Kampf mit der Schönheit, der letztlich ihre ganze Seele vergiftete. Und Schneewittchen zur Gejagten machte. Die Schönheit…wir schreiben sie mit ihren Adjektiven der Weiblichkeit zu. Schön wie Aphrodite. Schönheit schmückt, ebnet den Weg scheinbar zu Erfolgen. Schönheit gleicht einem immerwährenden Wettbewerb, sie soll in Einheiten gemessen und vergleichbar sein. Gerade Frauen ordnen ihr Leben dem Erreichen von Schönheitsidealen oft unter. Aber was bedeutet Schönheit eigentlich? Das, was uns die Medien tagtäglich präsentieren?


Natürlich war ich nicht anders. Als kleines Mädchen mit langen blonden Zöpfen und Zopfschleifen war man „niedlich“. Später wollte man „toll“ aussehen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. In jüngeren Jahren habe auch ich regelmäßig im Wettkampf um Schönheitsideale gestanden. Oft hatte das aber eher etwas damit zu tun, dass ich glaubte, dass Schönheit und Selbstbewusstsein und damit auch die Anerkennung im direkten Zusammenhang stehen müsste. Gesund, war das bestimmt nicht immer. Heute bin ich natürlich weiser geworden. Haare, die sich nicht bändigen ließen, eine erste Dauerwelle, Blondierung, eine Jeans, die uns die Luft manchmal zum Atmen nahm – die Liste der Zwänge war lang. Schönheit und Perfektionismus waren bei mir zwei hohe Prioritäten, die mich lange begleitet haben. Ein Pickel vor einer wichtigen Verabredung konnte in einem wahren Drama enden. Ich schüttele im Moment lachend gerade selbst den Kopf vor den Bildern, die jetzt so aus der Vergangenheit auftauchen. Aber ich glaube, es hat sich wenig geändert. Uns Babyboomern wird eine ganze Industrie präsentiert, die uns jung, gesund und fit und natürlich attraktiv präsentieren soll. Daher hat es mittlerweile die schmückende Kosmetik in die Regale der Apotheken geschafft.

Mit den voranschreitenden Jahren veränderte sich die Einstellung. Irgendwann war es dann soweit. Mit jedem Jahrzehnt des Älterwerdens wurden die Zwänge zum Glück weniger, weil die Erkenntnis wuchs, das Zufriedenheit und Selbstvertrauen in die eigene Persönlichkeit nicht durch die Erreichung von Regeln und Normen der vermeintlichen Attraktivität abhängig sind. Davon habe ich mich nach Jahrzehnten befreit. Ich halte es heute mehr mit dem Zitat „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sich finden“,von Christian Morgenstern und mache dieses zu meinem eigenen Slogan. Ein Blick in das Fotoarchiv bewies, dass immer dann, wenn ich zufrieden und glücklich war, am „schönsten“ mich im Spiegelbild befunden habe. Eine bewusstere Lebensart mit mehr Schlaf und gesunder Ernährung benötigte keine Disziplin. Es gab auf einmal keine „verbotenen“ Lebensmittel mehr, sondern vollwertige Genüsse. Bewegung in der Natur machte das Make-up aus der Tube öfter verzichtbar. Meine innere Zufriedenheit zaubert mir mehr Lachfalten in mein Gesicht. Wenn ich morgens in die Spiegel schaue, dann bin ich vielleicht auch mal müde, aber nicht weniger attraktiv.

Unzufriedenheit sorgt für tiefe Falten im Gesicht. Dann weiß ich, dass ich besser auf mich achten muss. Resilienz durch mehr Wohlfühlen erreichen, das ist heute mein Ziel. Ausbalancieren im Alltag und in unseren Emotionen sind das richtige Rezept.

Also keine Angst mehr vor dem nächsten Geburtstag! Unser Gesicht und unser Körper durchlebt die Jahrzehnte. Und das hinterlässt Spuren und Eindrücke auf dem Weg. Wir setzen damit unsere Akzente. Wenn Du etwas ändern willst, dann tue es. Wenn Du Unterstützung benötigst, dann suche sie. Du bist verantwortlich für Deine eigene Zufriedenheit im Leben. Du kannst die Verantwortung niemanden anderen aufbürden. Suche Deinen Weg und verliere die Angst vor dem Älterwerden. Damit Dir morgens Dein Spiegel humorvoll auf die Frage antworten kann: „Natürlich Du meine Liebe…genieße den Tag und mache für Dich das Beste daraus!“