Hitzewelle…Wenn die Kommunikation zwischen Menschen Hitzepickel treibt…

3. Juni 2020 0 Von Uta Lewien-Schmidt

Jetzt, gerade in den ersten Herbsttagen, möchte ich mich mit einem Thema an Euch wenden, das mich im Sommer sehr beschäftigt hat. Und wenn man es tiefer betrachtet, dann hat es nicht wirklich mit den meteorologischen Verhältnissen zu tun. Dieses Phänomen beschränkt sich wohl doch nicht nur auf die heiße Jahreszeit. Hitzepickel sind ja die kleinen Hautirritationen, die sich unter großer Wärmeentwicklung auf unserer Haut ausbilden können. Aber nein, darüber wollte ich keine medizinische Abhandlung schreiben. Es sind Plagegeister, die uns unter den hohen Temperaturen, das Leben schwer machen können. Dagegen hat unsere Medizin- und Kosmetikindustrie aber schon längst ein Kraut gefunden.

Nein, dass was ich meine, sind die Irritationen, die gerade in an den gefühlt „heißen“ Tagen im kommunikativen Bereich aufgetreten können. Die hohen Temperaturen haben es in sich. Wir – also wir selbst und unsere Mitmenschen – schlafen tagelang schlecht, fühlen uns körperlich eingeschränkt und empfinden uns wie ein Fisch auf dem Trockenen. Das geht auf die Kondition, Konzentration und natürlich auch auf den so genannten Geduldsfaden. Oft gespannt und manchmal gerissen. Generell wird der Tonfall untereinander härter, die Sätze scheinbar kürzer. Und jeder in meinem Umfeld konnte ein Liedchen darüber anstimmen. Ob beim Bäcker, im Supermarkt, die Suche nach dem Parkplatz, die Diskussionen in den Medien…die Menschen waren laut und ungeduldig. Und das oft ohne einen wirklich ersichtlichen Grund. Dem Klimawandel können wir das nicht in die Schuhe schieben…oder vielleicht doch?

Fakt ist, das Klima zwischen uns Menschen sich deutlich verändert. Die siebte Befragung in Folge „Die #Generation Mitte“ zu gesellschaftlich relevanten Themen, vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beauftragt und vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt, unterstreicht deutlich die Veränderungen. Trotz besserer wirtschaftlicher Lage werden geringerer gesellschaftlicher Zusammenhalt, eine zunehmende Aggressivität und Egoismus im Straßenverkehr benannt. Deutschland entwickelt sich zur Ellenbogengesellschaft! Im Rahmen meiner Profession darf ich mir einen Tunnelblick nicht erlauben. Ich beobachte viel und versuche, weniger zu bewerten. Als Coach stehe oder sitze ich mit meinem Klienten auf Augenhöhe. Empathie, aktives Zuhören und Offenheit sind die Werkzeuge, mit denen ich meine Klienten zu eigenen Erkenntnissen entwickeln möchte. Aber was läuft nun schief in unserer Alltagskommunikation?

In meinem aktiven 40-Jährigen Berufsleben der Vergangenheit habe ich es mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun gehabt. Menschen inspirieren mich – ich mag sie! In dieser langen Zeit lernt man (hoffentlich!) dazu. Toleranz gegenüber anderen zu üben, Kompromisse schließen, aber auch da, wo es für sich selbst wichtig ist, Standpunkte verteidigen und auch manchmal Rückgrat zeigen. In Fällen von Diskriminierung zum Beispiel. Die Anatomie einer Nachricht, das Beziehungsgeflecht zwischen Sendern und Empfängern und mit welchen Ohren (Sach-, Beziehungs-,Selbstoffenbarungs- oder Apellohr) diese nun hören, hat Friedemann Schulz von Thun in seinem Kommunikationsmodell prägnant dargestellt. Und viele andere sind in der Expertenwelt diesem Thema auf der Spur. Und oft höre ich in meinem Umfeld, dass einige nicht wirklich wissen, wie sie mit der veränderten Ansprache umgehen sollen. Wir sind nicht alle Experten – müssen wir auch nicht. Mit kleinen Spielregeln – man nennt sie Rücksichtnahme, respektvoller Umgang, ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen – kann es doch gar nicht so schwer sein. Oder?

Ich selbst habe mir in meiner Sprache mehr Zeit gegeben. Ich höre meinen Mitmenschen besser zu. Frage nach, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich es richtig verstanden habe. Oft klären sich dann Missverständnisse auf. Angriff und Verteidigung, in den Boxring steigen, sind immer weniger nötig. Und das empfinde ich wohltuend, wenn der Cortisolspiegel (eines der nachhaltigen Stresshormone) weniger ansteigt. Er lässt mich besser schlafen. Und dann noch mal unter der der Lupe der Generationen betrachtet – wir Babyboomer sind schon als Kinder geschliffen worden, dass „Gefühle zu zeigen“, als Schwäche ausgelegt werden könnte. Liebe Mitmenschen, das ist Schnee von gestern! Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse müssen wir manchmal erst herausfinden, wo sie uns doch so erfolgreich aberzogen wurden. Der Umgang damit, ist uns fremd geworden. Und es ist an der Zeit, daran deutlich etwas zu ändern. Wer seine Bedürfnisse kennt, kann sich auf den Weg machen, sie zu erfüllen. Das schafft auch Raum, sich auf die Bedürfnisse von anderen Menschen einzustellen. Dann erscheint in der Wut im Umgang miteinander plötzlich die Erkenntnis, dass es gemeinsame Ängste sind, die uns so aus dem Gleichgewicht bringen. Statt einer Forderung, die an uns gestellt wird, kommen wir einer begründeten Bitte vielleicht eher, weil ohne Schuldgefühle nach. Wir hätten dann immerhin die Wahl, der Bitte, Folge zu leisten.

Also auf zum Klimawandel. Sorgen wir dafür, dass aus der Ellenbogengesellschaft, wieder mehr ein gesellschaftliches Miteinander wird!

Veröffentlicht am 26. September 2019 von Uta Lewien

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