Frauenpower und die Gleichberechtigung

24. März 2021 0 Von Uta Lewien-Schmidt
#frauenpower #gleichberechtigung #selbstbestimmung #emanzipation #selbstentwicklung

Wie Du als Frau selbstbestimmt und erfolgreich sein kannst...

Aufregende Tage im März liegen hinter uns. Dieser Monat hatte in seiner Vielfältigkeit sehr viel zu bieten. Viele Themen haben mich inspiriert, über Vergangenheit, Ziele und Zukunft nachzudenken. Über Frauen, über ihre beruflichen Chancen und die Anerkennung, was mich teilweise wirklich selbst immer wieder fast sprachlos macht. Es folgen ernüchternde Prozentzahlen im internationalen Vergleich, wenn man der Berichterstattung anlässlich der jährlichen Bestands-aufnahme folgt. Als Glück bezeichne ich in diesem Kontext, dass der Fachkräftemangel rund um die demografische Entwicklung, endlich zu Erkenntnissen führte. Die Bundesregierung verabschiedete auch eine Gleichstellungsstrategie. Umfangreiche Ziele und Maßnahmen sind dort niedergeschrieben. Ein Anfang vielleicht, aber es bleibt das Gefühl, dass hier noch durch viele dicke Bretter zu bohren bleibt. Aber wir haben hier kein Erkenntnisproblem. Wir kämpfen eher mit der halbherzigen Umsetzung. Und sobald sich bei den Verantwortlichen eine Chance bietet aus dieser Strategie auszusteigen, wird sie genutzt. So wie unter den Coronabedingungen. Die Politik redet von „Eltern“ und die Realität zeigt sich oft im alleinigen Engagement von Frauen. Wenn Gefahr in Verzug ist, ja verständlich. Aber über ein Jahr? Ich habe das Gefühl, man hat sich wieder gut auf die Tradition eingerichtet. Ich bin lange im Geschäft. Als Coach und langjährige Personalverantwortliche sind die Termine, die oben abgebildet sind, immer ganz besondere Tage. Seit Jahren frage ich mich, ob die Terminserie das Dilemma um die Frauenfrage bildlich aufzeigt. Pünktlich wie jedes Jahr rüttelte der meterologische Frühling mit seinen Sturmböen das Land kräftig durch, verursachte Schäden und legte den Finger in die Wunde um die Klimadebatte. Aber die Diskussion um Chancengleichheit verursacht höchstens einen unruhigen Pegelstand im Wasserglas. Und nun sind die Tage wieder vorbei und wir warten auf den nächsten Frühling? Knipsen wir das Scheinwerferlicht nun wieder aus? Anlass für mich, für eine Nachbetrachtung zum Thema Gleichberechtigung.

Rotation und damit Gleichberechtigung darf es nicht nur auf der Wetterkarte geben

In diesem Jahr stehen, metereologisch betrachtet, die Männer namentlich Pate für die Tiefdruckgebiete des Jahres 2021. Seit 1954 werden Hoch- und Tiefdruckgebiete mit Vornamen vom Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin benannt. Ich gehe davon aus, dass es ein Mann war, der zunächst das Sagen hatte. Denn es dauerte sehr lange, bis die Gleichberechtigung bei der Namensgebung Einzug erhielt. Bis 1997 wurden nämlich alle Tiefdruckgebiete weiblich und alle Hochdruckgebiete männlich benannt. Seit 1998 wird jährlich rotiert. Seit 2002 kann man eine Namenspatenschaft  gegen ein Entgelt übernehmen und so den Namen für ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet vergeben. Und die Sache scheint richtig durchdacht, was die Gleichstellung angeht. Die Namensgebung für die Hochdruckgebiete ist teurer, schließlich bleiben diese länger auf der Wetterkarte. Also somit eine gewollte Entgeltlücke…

Über einen Paradigmenwechsel haben anlässlich des Frauentages wieder viele nachgedacht...

Wir reden darüber, dass die Frauen in der Corona-Krise selten eine mitentscheidende Rolle spielen,. „Krisenzeit ist Männerzeit“ (1*)lautet die Überschrift der Wahrnehmung. Das zeigt sich mir als deutlichen Hinweis auf den Status von Frauen (vorallem mit Familien) in den pandemischen Entscheidungsgremien.  Ein Beispiel von vielen, denn ob es ein Unternehmen, eine Verwaltung, ein parteipolitisches System oder ein anderes Gremium ist, Frauen haben immer einen anderen Stellenwert als Männer gehabt. Der Zugang war selten planbar. Da kamen Zutaten wie die hohe Anpassungs-leistung, aber auch die nötige unerschrockene Kommunikation, Bestnoten und oft auch die Gunst der Stunde zum Zuge. Ich habe mich über 20 Jahre lang mit der persönlichen und beruflichen Entwicklung von Frauen beschäftigt. Natürlich, weil ich auch eine bin. Und weil ich früh gelernt habe, „wenn ich nicht am Rad der Veränderung drehe, dann wird sich wenig bewegen“. Aber, wie kann es in einem  Land der Tarifverträge,  immer wieder zu dieser fachlich definierten Entgeltlücke kommen? Auch in diesem Projekt zur Entgeltlücke war ich im Namen meines damaligen Arbeitgebers präsent. Statistisch wissen wir, dass Mädchen meistens die besseren Schulabschlüsse in den Bewerbungsverfahren präsentieren. Wie kommt es dann, dass immer noch solche Einkommensunterschiede in die Statistik einfließen können? Neben den bekannten Faktoren wie Teilzeitquote und Familienzeiten, scheinen noch andere in das Ergebnis einzufließen.

(1* Quelle: Deutscher Frauenrat, „Für eine geschlechtergerechte Krisenpolitik“, www.frauenrat.de)

Unser Wissen, unsere Kompetenzen und Erfahrungen sind wie Bodenschätze im Leben

Wenn wir mal den physischen Reichtum an Bodenschätzen einiger Länder betrachten, scheint es eher zu sein, dass genau dieser Reichtum, oft Armut für die Bewohner bedeutet. Es geht nicht um die Ressource allein, sondern auch um den Umgang damit. Fakt ist, dass die Bedingungen für Jungen und Mädchen eigentlich seit frühester Kindheit gleich sein sollten. Sie sind es aber nicht. Und wir als Eltern sind daran manchmal nicht ganz unschuldig. Wir wirken als Vorbilder, wie wir unsere Träume verwirklichen. Für mich als Kind der Wirtschaftswundergeneration lag die Portion Mut auch nicht gerade auf dem Gabentisch. Zu oft im Verhalten angepasst und viel von Angst gesteuert, nicht den Erwartungen zu entsprechen. Unser Frauenbild war das der kriegsdurchlebten Generation der Großmütter und ihrer jungen Töchter – unseren Müttern. Die Krisenzeiten erforderten es, dass Frauen die Initiative ergreifen mussten. Das war überlebenswichtig. Aber dann war es für die Folgegeneration schnell aus mit der Selbstbestimmtheit. Aus der gesellschaftlichen Entwicklung heraus, traten Frauen wieder in die zweite Reihe oder treffender gesagt,  in die Küche. In meiner Familie hatten Frauen einen Beruf, weil sie alleinlebend waren (ein Status, der auch oft gefragt oder ungefragt vom Umfeld bewertet wurde) oder sie waren verheiratet. Und wenn sie einen Ehemann  und eine Familie hatten, dann war ihr Berufsleben oft beendet. Weil es so war. Dann beschäftigten sich Frauen mehr mit dem „guten Gewissen“ der Wäschehygiene, der Haushaltsführung und der Kindererziehung. So würde ich es meiner Tochter erzählen, wenn ich eine hätte.

Einen kleinen Einblick in meine Lebensbiografie und die Erfahrungen damit

In meinem Leben haben sich die Dinge manchmal auch durch äußere Umstände in eine selbstbestimmte Richtung bewegt. Nicht alles war so geplant. Es passierte so im Leben. Ich war alleinerziehend mit zwei Söhnen und mein Beruf war die Existenzgrundlage. Zum Glück war ich gut ausgebildet. Daher war stetige persönliche und berufliche Weiterentwicklung immer wichtig. Und meine Bodenschätze waren meine Neugier und die Faszination Wissen. Aus diesen Vorkommen schöpfe ich heute auch in einer anderen Lebensphase noch.  Beides verschaffte mir die Energie, nicht aufzugeben und gute wie schlechte Erfahrungen zu sammeln. Aus gemachten Fehlern zu lernen. Genauso war ich abhängig davon, dass meine Söhne teamfähig waren und wir als Restfamilie unsere Herausforderungen schultern konnten. Sie lernten früh, selbstständig zu sein. Und ja, auch ich hatte oft ein schlechtes Gewissen. Meine Söhne nehmen sicherlich die Stärke ihrer Mutter aus dieser Zeit mit und die Achtung vor Lebensleistungen von Menschen. Beides erfüllt mich heute mit Stolz.

Was hat sich mit den Jahren verändert?

Wenn ich morgens mit meinen Hunden unterwegs bin, erlebe ich die Kinder und Eltern auf dem Weg zum Kindergarten. Aus den zufällig wahrgenommenen Gesprächen nehme ich mit, dass sich in den letzten 25 Jahren in denen ich meine Kinder zum Kindergarten gebracht habe, wenig in der Kommunikation verändert hat. Die Diskussionen um Organisation und Zeitmangel für die Eltern und Kinder sind immer noch die gleichen. Der stetige Balanceakt für überwiegend Mütter, die einer (erfüllenden) Berufstätigkeit nachkommen möchten oder auch müssen, und ihrer Kinder, ist immer noch deutlich zu spüren. Will die Familie beides, bedeutet das auch für beide Partner, Einigkeit darüber zu erzielen, wie man Prioritäten setzen möchte. In einen Dialog zu kommen, zwischen den Partnern über Wünsche und Ziele bedeutet einen wichtigen Startpunkt. Selbstbestimmtheit und Lebensträume verwirklichen sich nicht von alleine. Wenn wir unsere Wünsche wichtig nehmen, dann können andere sie auch in ihrer Wichtigkeit wahrnehmen.

Wer im Privatleben eine partnerschaftliche Vereinbarung schließen konnte, wird auch bessere Chancen haben, dieses gesellschaftlich und beim Arbeitgeber leben zu können. Und genau das ist der Punkt. Nicht eine Partei – also Staat, die Gesellschaft, wir in unseren Lebensmodellen, kann dieses Projekt alleine schultern. Wir können das nur gemeinsam. Es geht auch nicht gegen eine bestimmte Gruppe, es geht um Überzeugung.  Das setzt aber voraus, dass alle Partner miteinander im Gespräch bleiben: „Was ist mir wichtig? Wie plane ich meine nächsten Jahre im Beruf? Wie sieht die Planung nach der Elternzeit aus?“ Leider – und auch hier mal direkt uns Frauen angesprochen – überlassen wir die Planungshoheit zu oft anderen. Die Qualifikationschancen haben sich deutlich für uns Frauen verbessert. Keine Frage. Berufsbegleitende Weiterbildungsangebote, Online-Studienangebote ermöglichen uns eine fachliche Qualifikation (Ich habe während meiner Elternzeit studiert…). Wir Frauen können im Gegensatz zu früheren Generationen, zeit- und ortsabhängig durch die neue Medienvielfalt neue Chancen nutzen. Egal in welchem Lebensabschnitt. Und auch hier der Anspruch an die Politik: Es darf nicht an den Finanzen scheitern! Und das für alle Schichten in der Gesellschaft unseres Landes.

Auch für die Babyboomer-Generation ist es noch nicht zu spät, ihre Träume zu leben

Und das ist die Herausforderung für meine Lebensmittengeneration. Der Gewinn an Lebenszeit wird auch von meiner Generation nicht voll ausgeschöpft. Unsere gewonnenen Jahre bieten uns für die Gestaltung unserer Lebensläufe viele andere Möglichkeiten. Auch für das Zusammenleben der Generationen und für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sind sie übertragbar. Oft können wir diese aber nicht hinreichend realisieren, weil wir uns in unserem Denken und Handeln von institutionellen, sozialen und kulturellen Ordnungen beeindrucken lassen, die nicht mehr der Zeit entsprechen. Also bleiben wir dran und verändern es.

Das ist der Einstieg in den Dialog!

Das Thema liegt mir am Herzen. Das Leben ist nicht nur ein Kampf, aber es fällt uns auch nicht alles in das Körbchen. Wir gestalten! Gerne würde ich Dich dabei unterstützen. Ich freue mich auf Deine Nachricht