Der Break Even Point des Lebens

11. Juni 2020 0 Von Uta Lewien-Schmidt

Der Break Even Point des Lebens – oder anders ausgedrückt, was bedeutet Zufriedenheit?

Entschuldigung – ja die Betriebswirtschaftlerin kommt durch. Aber mal fern ab von jeglicher beruflicher Fachkompetenz betrachtet, haben wir ein einheitliches Ziel. Der Break Even Point ist für Unternehmen der Punkt, an dem Erlös und Kosten einer Produktion (oder eines Produktes) gleich hoch sind und somit weder Verlust noch Gewinn erwirtschaftet wird. Betriebswirtschaftlich betrachtet also eine wichtige Orientierungsgröße. Überschreitet man ihn, kann man Gewinne generieren. Man nennt das auch Kennzahl. Kennzahlen haben als Eigenschaft grundsätzlich die Vergleichbarkeit und die Messbarkeit. Für Zahlen-Daten-Fakten-Menschen eine wichtige Aussage, mit der man erfolgreich Szenarien abstimmen kann, Planungen für die Zukunft und den Lebenszyklus von Produkten generieren kann.

Ja, ich bin eine Betriebswirtschaftlerin. Mit vollem Engagement. Aber da ist noch mehr. Wie betrachte ich nun die Wünsche und Zukunftsszenarien betriebswirtschaftlich für Unternehmen auf der einen Seite oder als Personaler mit ergänzenden Kompetenzen für Mitarbeiter auf der anderen Seite? Und dann noch als psychologische Beraterin – ganz privat?

Schwierig. Es wird auf einen Kompromiss hinauslaufen. Es gibt nämlich nicht DIE LÖSUNG, sondern einen individuellen Weg. Was haben wir gemeinsam? Bilanz ziehen wir alle. Das Unternehmen bezüglich der Rendite und der Nachhaltigkeit seiner Investitionen. Wir Arbeitnehmer oft, bezüglich unserer Loyalität und unseres Selbstverständnisses von Arbeit und Lebensleistung. Unternehmen bewerten ihr Investments in Human Capital (hoffentlich!). Aber das gehört in den Bereich Business Coaching. Konzentrieren möchte ich mich heute mehr auf die Zufriedenheit im Leben. Als Babyboomer hat man Lebenserfahrung. Der Abgleich – sprich Bilanz ziehen – über die Erwartungen von uns oder unseren Eltern zum Beispiel – können zu einem unterschiedlichen Ergebnis führen. Genau das führt uns heute manchmal in das große Grübeln. Ist es so einfach möglich – wie ein Unternehmen aufgrund seiner steuerrechtlichen Verpflichtung – uns als Menschen einer Bewertung – sprich einem Jahresabschluss zum Stichtag zu unterziehen? Wohl kaum.
Wichtig ist, uns selbst eine eigene Bilanz aufzustellen. Wie viel Eigenkapital (sprich Empathie, Lebenswille, Engagement) können wir ausweisen? Welches Fremdkapital (wer kann Dir zur Seite stehen?) ist von Nöten? Das Investment (nicht aufgrund von festgelegten spezifischen Regularien) findet auf der Beziehungsebene statt. Da kann man den Produktionsmitteleinsatz nicht in das Verhältnis zum Output setzen. Wir Menschen haben andere Kompetenzen. Wir verzeihen…neigen zu Kompromissen…haben einen anderen Blick auf Beziehungsmanagement…unsere Kennzahlen sind oft variabel – die Wirkungsweise wird nicht unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet, sondern unter Mitmenschlichkeit. Und dafür gibt es leider noch keine verbindlichen Bewertungspunkte oder messbare Größen.

Was uns helfen kann, ist das Bauchgefühl und die Lebenserfahrung, die wir exemplarisch wie in Geschäftsvorfällen in die Bewertung einbringen können. Die Bewertung der Vorräte, Forderungen oder Verbindlichkeiten sollte zumindest für uns selbst, einen Maßstab bilden.
Leider nicht von mir, aber in Worten trifft es genau das, was ich meinen Klienten vermitteln möchte:
Die zwei wichtigsten Tage im Leben sind der Tag, an dem Du geboren bist, und der Tag, an dem Du herausfindest, warum! Also überprüfe an Deinem persönlichen Bewertungsstichtag, wie es aussieht mit Deinem Break-Even-Point des Lebens. Stimmt Dein Engagement im Verhältnis zum Ergebnis? Sind Deine „festen Kosten“ im richtigen Verhältnis zu Deiner Umsatzgröße – sprich Deinen Zielen? Wenn nicht, dann zögere nicht, darüber nachzudenken. Du sitzt am Steuerrad Deines Lebens.

Überlege Dir, wo Deine Geschäftsziele sind. Du bist dafür verantwortlich, Du bestimmst die Strategie und das Ergebnis. Also gehe Deinen Weg. Und wenn der zu weit ist, suche Dir Unterstützung. Ich bin für dich da! Reflektion unserer Handlungen ist wichtig. Aber es gibt auch keine Norm oder verbindliche Handlungsempfehlung. Du selbst stehst als Maßstab zur Verfügung. Was möchtest Du ereichen, welche Ziele und Kompetenzen sind für Dich wichtig – diese Fragen gilt es zu beantworten.

Quelle Foto: Adobe Stock # 34516993 Jeanette Dietl