Die inneren Antreiber: Eher Dein Coach oder Dein Gegner?

1. März 2021 0 Von Uta Lewien-Schmidt

Der innere Schweinehund gehört mit ins Team

Wie so viele tierische Vergleiche kommt auch diese Begrifflichkeit aus der Jagdsprache. Die Schweinehunde nutzte man, um Wildschweine zu hetzen und zu verfolgen, bis diese vor Müdigkeit aufgaben. Diese Zielstrebigkeit wurde später oft wenig schmeichelhaft auf „bissige“ Menschen übertragen. Für den Sportler ist er der Schattengegner, den es gilt zu bezwingen, um das große Ziel zu erreichen.

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Aber wir lebenserfahrenen Babyboomer sehen unseren tierischen Mitbewohner eher aus einer einseitigen Perspektive.

Wir machen ihn dafür verantwortlich, dass wir unsere Leistung nicht so wie von uns erwartet erbringen. Unser innerer Vierbeiner orientiert sich an uns und unseren Verhaltensmustern.  Er ist ein Bestandteil unserer Persönlichkeit, ob uns das nun gefällt oder nicht. Sozusagen ist er ein Familienmitglied. Und die gute Nachricht ist, er boykottiert uns in unserem Handeln meistens, wenn wir Stress und Konflikte zu bewältigen haben. Besonders dann, wenn unsere inneren Antreiber (Sei stark- sei perfekt – sei schnell – streng Dich an & Co.) als Hypothek aus der Vergangenheit auftauchen. Da sind wir unseren erworbenen Glaubensmustern aus Tradition verbunden. Unsere Erfahrungen aus der Kindheit, das Verhalten unserer Eltern und Großeltern gibt uns die Regieanweisungen vor und legt oft über Jahrzehnte fest, wie wir welche Rolle übernehmen sollen. Die Ansprüche – oft auch die Unausgesprochenen – haben wir verinnerlicht. Wenn wir diese erfüllen, dann werden auch unsere Bedürfnisse nach Anerkennung, emotionaler Sicherheit scheinbar erfüllt. Und unsere Eltern waren selten ein gutes Vorbild im Umgang mit Gefühlen und eigenen Bedürfnissen. Die Wirtschaftswundergenerationhat ihren Babyboomer-Kindern viel Praxis vermittelt. Emotionen waren unberechenbar und daher oft unerwünscht.  Nur was im Schweiße des Angesichts erarbeitet wurde, zählte als Leistung. Auch sie haben hier eine Hypothek aus der Vergangenheit übernommen. Das ist die Hintergrundgeschichte.

Deine geerbten inneren Ansprüche an Dich selbst können Dich erfolgreich machen, aber auch dem inneren Schweinehund den Fressnapf füllen.

Der Schweinehund ist kein Kandidat für Veränderungen. ER hinterfragt alles, was Du in seinen Augen plötzlich anders machen möchtest.  Will er doch grundsätzlich das Gegenteil von dem, was Du Dir vorgenommen hast.Welches Bedürfnis möchtest Du gerade erfüllen? Wie wichtig sind Dir Deine Veränderungen und Träume? Welches Ziel willst Du erreichen und was bedeutet Dir dessen Erreichung? Ziele, die aus traditionellen Perfektionismus aufgestellt werden, eher unerreichbar statt wirklichskeitsnah sind, werden für Deinen Schweinehund als Beuteangebot zum Scheitern verfolgt. Bist Du bereit, Dich selbst und Deine Wünsche mit dem nötigen Ernst zu verteidigen? In Deinem Plädoyer musst Du überzeugend sein, denn ER will Routine und nicht den Wandel. Und Deine erlernten Verhaltensmuster bieten sie ihm.

Wenn der Schweinehund dann den inneren Antreiber jagt

Dann ist der Konflikt da. Beide streiten sich und werfen sich gegenseitig das Versagen vor. Wie gehst Du damit um? Zuhören, oder sprichst Du dann doch endlich ein Machtwort? Es gibt klare Regeln für ein gesundes und stressfreies Miteinander. Der Familienrat tagt. Gehe in den Dialog mit Deinen Kritikern. Beleuchte ihre Argumente. Der Schweinehund hinterfragt Deine Selbstmotivation, mit der Du Deine Veränderungen umsetzen möchtest. Oft ruft er Dich zur Entspannung auf, weil die Kollegen „sei schnell & perfekt“ kompromisslos die Führung übernehmen! Überprüfe die realistische Umsetzung Deiner Vorhaben. Vielleicht haben gerade Dein inneres Team, Dir ein zu großes Paket Deiner guten Vorsätze geschnürt. Passe Dein Tempo an und mache Deine Fellnase zum Sparringspartner. Du machst die Vorgaben für den Wandel. Und wenn Du die Neuerungen als Routine lebst, dann folgt er Dir – „Bei Fuß“! Belohne ihn, wenn ihr gemeinsam für Leistung und Entspannung erfolgreich zusammenarbeitet. Mit ihm kannst Du Etappenziele feiern und auch mal bei einem verlorenen Spiel, auf dem Sofa abhängen. Das ist kein Weltuntergang. Das sind wenige Ausnahmen. Sie werden erst zum Weltuntergang, wenn aus der Ausnahme die Regel wird. Gib Deine Wünsche nicht auf, plane auch ein, dass man manchmal einen weiteren Anlauf zum Ziel braucht.

Selbstwahrnehmung ist ein guter Weg aus dem Dilemma für Veränderung

In unserer Lebensmitte können wir immer noch neue Wege gehen, um ein stressfreieres glückliches selbstbestimmtes Leben zu genießen. Stärke, Widerstandskraft, Verantwortung für Arbeit und Privatleben sind auch positive Eigenschaften. Sie haben uns Jahrzehnte unterstützt, Leistungen abzurufen und persönliche und berufliche Entwicklung zu gestalten. Sie geben Mut und Hilffe für Veränderungen Gute Lösungen für das richtige Maß, sind mehr Selbstakzeptanz und Eigenliebe zu entwickeln, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten. Gegen die Antreiber bieten die „Erlauber“ Möglichkeiten zum Ausgleich:

  • „Ich darf mir Zeit für meine Bedürfnisse nehmen „
  • „Ich darf mich regenerieren und Pausen machen!“
  • „Meine Zeit gehört mir!“

Wie immer kommt es auf die Dosis an, um die Balance zu halten.

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Die fünf inneren Antreiber und wie löse ich mich von ihnen
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